Eine Barf-Ration für den Hund: So sieht ein idealer Speiseplan aus

Endlich ist es soweit! Sie wollen Ihren Hund mit frischem, artgerechtem Frischfutter verwöhnen und planen Ihre erste Barf-Ration. Doch was gehört eigentlich alles in eine ausgewogene Mahlzeit? Dass Barfen kein Hexenwerk ist, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Futterpyramide Barf Empfehlung

Unsere Beispiel-Futtermittelpyramide als Grundlage einer selbsterstellten Ration für einen erwachsenen, gesunden Hund.

Was gehört auf den Speiseplan eines Hundes?

Fleisch

Muskelfleisch und Innereien liefern unseren Hunden und Katzen Proteine, Fette, Vitamine, Mineralien und dienen als Engeriegrundlage. Dabei weisen sie eine optimale Aminosäuren-Zusammensetzung auf und die Verdaulichkeit liegt bei 98%! Je fetter die verwendete Fleischsorte ist, desto energiereicher ist sie.

Mageres Fleisch Fettes Fleisch
Pute, Huhn, Pferd, Lamm, Ziege Rinderhochrippe, Kopffleisch, Ente, Hackfleisch

Kohlenhydrate

Als Energiegrundlage dienen in der Hundeernährung häufig Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Nudeln oder Reis. Nach über 50 Jahren Erfahrung in der Tierernährung reduzieren wir guten Gewissens unseren Kohlenhydratanteil auf maximal 30%. Wir halten einen zu hohen Kohlenhydratanteil nicht nur für nicht-artgerecht, sondern sogar für gefährlich und gesundheitsschädigend. Als Energieträger empfehlen wir stattdessen tierische Proteine und Fette zu verwenden, angelehnt an das Fressverhalten des Wolfes. Wenn Sie in Ihrer Ration Kohlenhydrate verwenden möchten, sollten Sie dabei glutenreiche Sorten wie Weizen oder Roggen vermeiden, da diese im Verdacht stehen, Allergien auszulösen. Glutenfreie Alternativen sind zum Beispiel Quinoa oder Buchweizen.

Übrigens: Katzen sind reine Carnivoren und besitzen keine Amylase – das ist das Enzym, das normalerweise Stärke im Magen-Darm-Trakt spaltet. Katzen sollten also unbedingt kohlenhydratarm ernährt werden, da sonst schwere gesundheitliche Folgen auftreten können!

Ziege braun weiß

Ziegen haben besonders mageres Fleisch.

Innereien

Innereien sind besonders wichtig, um unsere Vierbeiner mit ausreichend Vitaminen und Mineralien zu versorgen. 100 Gramm Kalbsleber enthalten 11 mg Eisen, 5,0 mg Kupfer, 8,0 mg Zink, 73000 IE Vitamin A und 60 IE Vitamin D. So reichen beispielsweise 0,5–1 g Leber/kg Körpergewicht zur Versorgung eines normalen Hundes mit Vitamin A aus – ein 20kg schwerer Beispielhund sollte also zwischen 10 und 20 Gramm Leber pro Tag bekommen, um seinen Bedarf zu decken.

Vorsicht bei der Leberverfütterung

Vorsicht: Bei einer zu hohen Dosis Leber kann es zu einer Überversorgung mit Vitamin A kommen! Genauso wie Vitamin E und D kann es nicht einfach vom Körper ausgeschieden werden, sondern reichert sich in den Organen an. Die Folgen einer Hypervitaminose A sind Bewegungsstörungen, Schmerzen, Gelenkprobleme, Knochen- und Nervenstörungen.

Ein besonders wertvoller Bestandteil im Futternapf Ihres Vierbeiners ist übrigens der Magen-Darm-Trakt der Futtertiere: Die Pflanzenfresser beherbergen in ihrem Darm viele Bakterien, die ihnen bei der Verdauung behilflich sind und unter anderem wertvolle B-Vitamine produzieren.

Blut

Blut enthält besonders viel Natrium, Kupfer, Aminosäuren, sowie viele Vitamine und ist deswegen ein wertvoller Bestandteil einer Barf-Ration. Bei uns im Shop gibt es seit Mai auch portioniertes Blut in Blistern, das das Verfüttern einer Blutmahlzeit enorm erleichtert.

Blut

Blut wertet jede Barf-Mahlzeit auf – jetzt auch in Blistern erhältlich.

Knochen

Wenn Sie Ihrem Hund regelmäßig rohe Knochen verfüttern, unterstützen Sie damit nicht nur die natürliche Zahnreinigung, sondern versorgen Ihren Liebling mit besonders viel Kalzium und Phosphor im richtigen Verhältnis. Als Richtwert bei einer ansonsten calciumarmen Ernährung können Sie von 0,5 – 1 g Knochen pro Kilogramm Körpergewicht Ihres Hundes pro Tag ausgehen.
Vorsicht: Eine zu hohe Menge an Knochen kann zu sogenanntem Knochenkot und Verstopfungen führen.

Gemüse und Obst

Gemüse und Obst enthalten wasserlösliche Vitamine und Ballaststoffe in Form von Rohfasern, die die Verdauung fördern. Obst enthält aber viel Fruchtzucker, weswegen im Verhältnis weniger Obst als Gemüse verfüttert werden sollte.

Barf WElpe mit Karotte

Gemüse sollte vor dem Verfüttern immer püriert oder gewalzt werden, damit die Zellwand zerstört wird und unsere Vierbeiner dadurch an die Inhaltsstoffe gelangen.

Öle

Öle liefern neben jeder Menge Energie auch ungesättigte Fettsäuren, darunter die für Hund und Katze essentielle Linolsäure und α-Linolsäure. Geben Sie kaltgepresstes Öl zu jeder Ration, da nur so die fettlöslichen Vitamine aufgenommen werden können.

Arachidonsäure

Anders als Hunde können Katzen aus Linolsäure keine Arachidonsäure synthetisieren, weswegen sie diese über die Nahrung aufnehmen müssen. Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure und kommt vor allem in Rindertalg oder Geflügelfett vor!

Milch

Milch und Milchprodukte sind besonders eiweißreich und liefern essentielle Aminosäuren. Allerdings enthalten sie auch Milchzucker, der von ausgewachsenen Tieren nur in geringer Konzentration aufgeschlossen werden kann. Als Richtwert für Milch gilt: Nicht mehr als 20ml pro Kilogramm Körpergewicht Ihres Hundes pro Tag. Ansonsten kann Ihr Hund mit Durchfall reagieren, da unverdaute Laktose osmotisch wirkt, dem Körper also Wasser entzieht. Außerdem enthält Milch kurzkettige Fettsäuren, die bei Hund und Katze schnell zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Das liefert ein Beutetier

In der freien Wildbahn verschlingt der Wolf das komplette Beutetier mit samt seinen Knochen, dem Fell und den Innereien. Dabei versorgt ihn jedes Einzelteil mit verschiedenen Inhaltsstoffen, die der Wolf zum Überleben benötigt. Folgende Skizze veranschaulicht, warum wir auch unseren Haushund nicht nur mit reinem Muskelfleisch ernähren sollten.

Beutetier_Wolf_Inhaltsstoffe

Was braucht mein Hund?

Die Bedarfszahlen jedes Hundes errechnen sich aus seinem Gewicht, seiner Leistung, seinem Alter und seiner Rasse.

  • Ein Windhund hat zum Beispiel einen aktiveren Stoffwechsel als ein Bernhardiner.
  • Ein Hund im Wachstum benötigt zum Knochenaufbau mehr Calcium als ein bereits ausgewachsener Hund.
  • „Arbeitende“ Hunde, wie Schlittenhunde oder säugende Hündinnen, benötigen außerdem viel mehr Energie im Futter als der Otto-Normalverbraucher-Familienhund usw.

Außerdem können Sie die Werte für einen doppelt so schweren Hund nicht einfach verdoppeln, weil sich die Bedarfszahlen anhand des sogenannten „metabolischen Körpergewichts“ berechnen.

Dem liegt die Tatsache zugrunde, dass ein schwerer Hund ein besseres Verhältnis zwischen Körpermasse und Körperoberfläche hat, wodurch er weniger Energie über die Haut verliert. Zur Verdeutlichung: 20 Chihuahuas mit insgesamt 40 kg Gesamtgewicht benötigen mehr Futter als ein 40kg schwerer Berner Sennenhund.

Hier ein kleiner Vergleich der Energie- und Calciumbedarfszahlen einzelner Hunde, der deutlich macht, dass Rationen immer individuell angepasst werden sollten:

Energiebedarf/Tag Calciumbedarf/Tag
20kg, normal aktiver, erwachsender Hund 3,8 MJ 1230 mg
40 kg, normal aktiver, erwachsener Hund 6,4 MJ 2070 mg
Senior Hund, 20 kg 3,0 MJ 1225 mg
12 Wochen alter Welpe, aktuell 6 kg, Endgewicht 12kg 4,0 MJ 3203 mg
Schlittenhund, 20 kg 26,5 MJ 1230 mg
Säugende Hündin, 20kg, 4-6 Welpen 7,3 MJ 11600 mg
* Die Bedarfzahlen wurden anhand der „Supplemente zur Tierernährung“ Philatelie Verlag, ISBN: 978-3794402403“ berechnet.

Die Standard-Fütterungsempfehlungen richten sich nach dem ganz normalen Familienhund. Mit unseren Paketen aus der Fertig-Barf Serie sind Sie im Normalfall immer auf der sicheren Seite. Sollten Sie Fragen zur Futterzusammenstellung haben, helfen Ihnen auch unsere Futterexperten (erreichbar unter der 02151-15407-0) gerne weiter.

Schlittenhunde

Arbeitshunde, wie zum Beispiel Schlittenhunde, haben einen viel höheren Grundumsatz als normale Familienhunde.

So nicht!

Barfen ist kein Buch mit sieben Siegeln. Trotzdem sollten Sie sich über die Hundeernährung Gedanken machen und die Rationen kritisch überprüfen. Wie schnell ein Hund unter- oder überversorgt ist, zeigt Ihnen folgendes Beispiel, für das wir einige Bedarfszahlen exemplarisch ausgewählt haben.

Beispiel:

Es handelt sich um einen 20 kg schweren Hund, der idealgewichtig und ausgewachsen ist. Er bekommt täglich:

  • 400 g fettarmes Rindermuskelfleisch
  • 20 g Rinderleber
  • 100 g Möhren
  • 20 g Olivenöl
  • 50 g Kalbsknochen
Bedarf Versorgung
Energie 3,8 MJ 3,5 MJ
Protein 52 g 101g
Calcium 1230 mg 6991 mg
Phosphor 923 mg 3847 mg
Vitamin A 1554 IE 8224 IE
Vitamin D 167 IE 7 IE
* Die Bedarfzahlen wurden anhand der „Supplemente zur Tierernährung“ Philatelie Verlag, ISBN: 978-3794402403“ berechnet.

Beurteilung
Die Proteinversorgung ist doppelt so hoch wie der Bedarf, was aber bei einem gesunden Hund kein Problem darstellt. Problematisch dagegen ist die Überversorgung mit Calcium und Phosphor. Eine 2-fache Überversorgung ist bei einem gesunden Hund tolerierbar, bei dieser Ration ist der Hund allerdings 5,4-fach mit Calcium und 4,1-fach mit Phosphor überversorgt, außerdem liegt das Ca/P-Verhältnis bei 5,6 – ideal wäre ein Verhältnis zwischen 1 und 1,5.

Dies hat zur Folge, dass einige Spurenelemente, wie zum Beispiel Zink oder Kupfer, schlechter aus dem Darm aufgenommen werden können und es hier zu einem sekundären Mineralstoffmangel kommen kann. Außerdem muss überschüssiger Phosphor über die Nieren ausgeschieden werden, was im schlimmsten Fall zu Nierenschäden und Blasensteinen führen kann.

Ein weiteres Problem ist die starke Überversorgung mit Vitamin A – die Folgen sind unter anderem Appetitlosigkeit, Schäden am Herzkreislaufsystem und Gelenksprobleme. Bei Katzen kann eine Hypervitaminose A sogar zur Versteifung der Halswirbelsäule führen.

Dalmatinerwelpen

Dalmatian puppies Damit Ihr Hund ein Leben lang fit und gesund bleibt, sollten Sie von Anfang an auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Barf Beispiel Rezept

Im Folgenden haben wir die Ration für den 20kg Hund angepasst:

  • 300 g Rindfleisch aus der Keule
  • 50 g geriebene Karotten
  • 50 g gedämpfte Kartoffeln
  • 50 g Weizenkleie
  • 1 Eigelb
  • 4,0 g Simply Barf Mineralfutter
Bedarf Versorgung
Energie 3,8 MJ 3,8 MJ
Protein 42,6 mg 69,7 mg
Calcium 1229 mg 1632 mg
Phosphor 946 mg 1207 mg
Vitamin A 1551 IE 5430 IE
* Die Bedarfzahlen wurden anhand der „Supplemente zur Tierernährung“ Philatelie Verlag, ISBN: 978-3794402403“ berechnet.

Beurteilung
In diesem Beispiel-Rezept ist der Hund ideal versorgt. Die überschüssige Proteinversorgung ist für einen gesunden Hund kein Problem. Die hohe Dosis Vitamin A ist in diesem Fall kein Problem, weil das Vitamin A dem Hund in Form von ß-Carotinoiden aus den Karotten zugeführt wird. Diese kann der Hund bei einer Überversorgung in das inaktive Retinol umwandeln, welches ausgeschieden wird.
Die Calcium- und Phosphor Versorgung haben wir mit 4,0 g mit unserem Mineralfutter „Simply Barf“ gewährleistet. Das Ca/P-Verhältnis liegt bei 1,35, somit ist die leichte Überversorgung kein Problem.

Wie Sie sehen, ist Barfen gar nicht so schwer, man muss sich nur darüber im Klaren sein, was unser Hund für eine ausgewogene Ernährung benötigt. Wer regelmäßig den Speiseplan seines Tieres variiert und ein Gespür für die richtige Ernährung entwickelt, ist auf einem guten Weg, seinen Hund gesund zu ernähren. Sollten Sie Fragen zur Ernährung Ihres Hundes oder Ihrer Katze haben, erreichen Sie unsere Fütterungsexperten unter der 02151-15407-0.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Kreieren Ihres ersten Gerichtes!

Bilder: Bild 1: © istock.com / GlobalP; Bild 2: © Zoobedarf Hitzegrad; Bild 3: © istock.com / Wisent; Bild 4: © istock.com / lightcatcheristockphoto; Bild 5: © istock.com / GlobalP

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