Trockenfutter oder Sterbehilfe in Katzenhaushalten

Wie ich bereits im letzten Blog erläutert habe, zählen Katzen zu den Carnivoren (Fleischfressern). Allein aus diesem Grund sollte schon klar sein, dass sich Trockenfutter in keinster Weise als Futtermittel eignet. Aber betrachten wir das einmal genauer.

In den 60er Jahren entstand die uns bekannte Futtermittelindustrie, die fleißig Katzenfutter in Dosen und Tüten anbot. Ab diesem Zeitpunkt stiegen folgende Erkrankungen bei Katzen massiv an: CNI (chronische Niereninsuffizienz), Diabetes, Erkrankungen der Blase und Harnwege, Allergien, Zahn- und Zahnfleischerkrankungen (vor allem Zahnstein).

Trockenfutter besteht zum Großteil aus pflanzlichen Bestandteilen. Da die Katze jedoch ein Fleischfresser ist, fehlen ihr sowohl im Maul, Magen als auch in der Bauchspeicheldrüse wichtige Enzyme für die Aufschlüsselung und Verdauung der Kohlenhydrate usw.. Mit dem scherenartigen Raubtiergebiss kann sie pflanzliche Bestandteile nicht wie ein Pflanzenfresser zermahlen und mit dem dafür erforderlichen Enzym (Amylase) vorverdauen. Auch in Magen und Bauchspeicheldrüse fehlen für die Verdauung der pflanzlichen Bestandteile wichtigen Enzyme. Der Darm, der um ein Vielfaches (!) kürzer ist als bei einem Pflanzenfresser, bietet ebenfalls keine Möglichkeit zur erforderlichen Verdauung, denn auch der Darm ist komplett auf fleischliche Nahrung ausgerichtet. Das Getreide und der Zucker, welche fast immer enthalten sind, können somit nicht verwertet werden und belasten den Organismus enorm.

Ein weiterer negativer Punkt ist der geringe Feuchtigkeitsgehalt. Wie wir bereits gelernt haben, ist die Katze nicht domestiziert, der Verdauungstrakt gleicht immer noch dem ihrer wilden Vorfahren. Als ursprüngliches Wüstentier zieht sie etwa 80% bis 90% ihres Flüssigkeitsbedarfs aus dem Fleisch und trinkt nur wenig. Hier stehen wir also vor dem nächsten Problem. Natürlich beteuern viele, ihre Katze trinke genug, aber das ist fast unmöglich. Ein Test mit einer Handvoll Trockenfutter zeigt, wieviel eine Katze trinken müsste, um zumindest das Trockenfutter auszugleichen. Dazu misst man, wieviel Wasser das Trockenfutter aufnehmen kann, indem man es einweicht, bis es komplett vollgesogen ist. Die wenigsten Katzen schaffen diesen Ausgleich.

Das Trockenfutter entzieht dem Körper also sehr viel Flüssigkeit. So kristallisieren sich die sonst im Urin aufgelösten Salze. Der ph-Wert verschiebt sich aufgrund des Futters in einen Bereich, in dem sich Kristalle bilden können. Ist der ph-Wert dauerhaft zu niedrig, begünstigt das die Entstehung von Oxalat-Steinen. Ist der ph-Wert dauerhaft zu hoch, also basisch, sind oftmals Struvit-Steine die Folge. Nicht selten führt das zu Harnröhrenverlegung, Penisamputation oder sogar Tod.

Desweiteren werden durch die zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und die Entwässerung durch das Trockenfutter die Nieren stark belastet, was in den meisten Fällen früher oder später zum Tod führt. Fast jeder kennt Besitzer, deren Katze an CNI gestorben ist oder hat so vielleicht schon selbst ein geliebtes Tier verloren.

Auch die Zähne werden in Mitleidenschaft gezogen. Das Trockenfutter reinigt nicht die Zähne, wie manche noch immer glauben – im Gegenteil, es legt sich als klebriger Belag auf den Zähnen ab und bildet so Brutstätten für Bakterien. Die Wirkung ist etwa so, als würden wir zur Zahnpflege Butterkekse essen. Viele Katzen bekommen schmerzhafte Zahn- und Zahnfleischerkrankungen und verlieren so irgendwann Zähne. In der Natur ist das Kauen einer Maus etc. die perfekte Zahnreinigung. Somit erfüllt die regelmäßige Fütterung von Fleischstücken, Mäusen und/oder Eintagsküken (beides natürlich als Frostfutter, also nicht lebend) diese Aufgabe perfekt.

Aber wenn dieses Futter so schlecht ist, warum empfehlen und verkaufen es manche Tierärzte? Dies ist leicht zu beantworten. Im Tiermedizinstudium nimmt die Ernährung nur einen verschwindend geringen Anteil ein. Verständlich, denn würde die Ernährung aller Tiere behandelt werden, müsste man wohl noch das ein oder andere Semester dranhängen. Namenhafte Firmen machen sich dies zunutze und werben die angehenden Tierärzte quasi an. Sie bieten eigene Schulungen an, in denen ihre Produkte als das absolute Optimum angepriesen werden. Es locken viele Prämien, sogar Urlaube. Attraktiv sind auch die Unterstützungen bei Praxiseröffnung, so dass viele das gerne annehmen, ohne genauer zu hinterfragen. Ein erfreulicher Trend ist jedoch, dass sich immer mehr Tierärzte weiterbilden und in Eigeninitiative mehr über die artgerechte Ernährung lernen. Diese nehmen danach fast alle von der Empfehlung von Trockenfutter Abstand und propagieren das Füttern von hochwertigem Nassfutter oder gar Barf (=biologisch artgerechte rohe Fütterung, ursprünglich: Bones and Raw Food).

In unabhängigen Langzeitstudien wurde bereits ein kausaler Zusammenhang zwischen Trockenfutter-Fütterung und gesundheitlichen Folgeschäden nachgewiesen. Die oben genannten “Katzenvolkskrankheiten” sind unmittelbare Folgen artwidriger Fütterung. Dazu zählt natürlich auch minderwertiges Nassfutter z.B. von bekannten Supermarktmarken (auf hochwertiges Nassfutter werde ich im nächsten Blog genauer eingehen), wobei Trockenfutter jedoch das größte Problem darstellt.

Fazit: Trockenfutter ist also so ziemlich das Schlimmste, was man füttern kann. Auch angeblich hochwertiges Trockenfutter mit hohem Fleischanteil bleibt Trockenfutter und sollte höchstens gelegentlich als Leckerlie gegeben werden – keinesfalls jedoch als Mahlzeit.

@Anni B.

13 Kommentare
  1. Elke Mertschat 25. November 2016

    vor 4 Jahren haben wir beim Einzug von zwei Katzenbabies das Trickenfutter abgeschafft und füttern seither nur getreidefreies Nassfutter der Furma Grau. Unsere beiden älteren Katzen (12 und 13) haben wieder Normalgewicht und alle vier super Zähne und tolles Fell, das zuvor bei zweien ganz stumpf und struppig war. Unsere Tierärztin ist bei jedem Besuch begeistert von dem Unterschied. Außerdem trinken sie kaum noch nebenher. Ich kann eine Umstellung nur empfehlen!!!🐈

  2. Sonja Weiss 29. September 2016

    sehr guter artikel, unterschreibe ich als tierheilpraktikerin sofort 🙂 hier hat jemand seine hausaufgaben gemacht 🙂 gesundheit fängt nunmal bei der ernährung an 🙂

  3. Dana Gräber 3. Mai 2016

    Claudia Mehnert:
    Auch ein Alkoholiker und Kettenraucher der sich fast nur von FastFood ernährt kann 90 werden. Das sagt aber weder etwas darüber aus wie schädlich Alkohol oder Zigaretten sind, noch darüber wie gesund seine Ernährung War. Es gibt halt Fälle, die haben einfach Glück. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dein Tier so alt wird ist viel, viel Geringer als bei gesunder Ernährung.

    Nach deiner Logik ist deine Einstellung ganz einfach zu belegen, denn die Katze meiner Freundin ist 24 geworden mit Barf. Vielleicht wären deine auch so alt geworden…
    Und mich würde interessieren woran deine gestorben sind.

    Mfg
    Dana

  4. Author

    Hallo,
    Sie haben sicher gute Gründe, warum Sie Trockenfutter lediglich als Zwischenmahlzeit anbieten ;-).
    Wir wollen mit unseren Artikeln natürlich immer auch zum Hinterfragen und Diskutieren anregen…
    Viele Grüße aus Krefeld

  5. Es ist doch maßlos übertrieben, die Fütterung von Trockenfutter mit Sterbehilfe gleichzusetzen. Man kann es auch übertreiben. Ich hab keine Katzen, sondern zwei Hunde und diese bekommen sowohl Trocken- als auch Nassfutter. Ich hab vor einiger Zeit mal roh gefüttert, aber irgendwann mochten meine Hunde es überhaupt nicht mehr. Also gibt es zukünftig auch weiterhin ein hochwertiges Nassfutter und als Zwischenmahlzeit etwas Trockenfutter und auch mal was selbst Gekochtes, wie z.B. Hähnchenmägen, Hähnchenherzen usw. mit Gemüse, Obst, Reis, Nudeln oder Kartoffeln.

  6. manuela 19. April 2016

    Also ich denke, dass ausschließlich Trockenfutte zu füttern sicherlich auf Dauer nicht gut sein kann. Wir haben 2Norweger, morgens bekommen sie eine Hand voll Trockenfutter , ansonsten Fleisch mit Lachsol, feline complete, ab und an Vitaminflocken mit wasser zu einer Creme verruhrt als Leckerli oder Filetfleisch. Ab und zu mal ein Küken. Sie trinken beide haufig aus dem napf, waschbecken, badewanne etc. Ich denke also nicht sterbehilfe zu betreiben.es stimmt, man kommt total durcheinander. Manchmal muss man auch die Kirche im Dorf lassen. Ich denke die Menge macht es.

  7. Montolio 3. März 2016

    Liebes Brauntier,
    leider ist es eben genau nicht so, daß die Katze einer bewußten Domestizierung unterworfen wurde. Hier empfehle ich das Buch Katzenverhalten von Mircea Pflederer.
    Einzig das Gehirn und die Länge der Beine haben sich verändert im Vergleich zur Falbkatze. Dies ist eine Anpassung an die Umwelt die der Mensch geschaffen hat und die von der Katze mitgenutzt wurde. Die Hauskatze hat nun durch kleinere Reviere (kurze Beine) eine höhere Notwendigkeit zu sozialem Verhalten. (Andere Verdrahtung im Gehirn)
    Domestizierung bedeutet immer die Nutzbarmachung eines Wildtieres durch gezielte Selektion.
    Dies kann mind. bis zum Beginn der Rassekatzenzucht bei der Hauskatze ausgeschlossen werden.

  8. Thomas 3. März 2016

    Ich füttere Nass-und Trockenfutter. Werde jetzt mal mehrere Tierärzte fragen zu dem Thema Trockenfutter und mir eine Meinung bilden. Mein Kater hat mit nun 7 Jahren auch schon Zahnprobleme, scheinbar Zahnfleisch entzündet und Zahnbelag, Mundgeruch, ich versuche zu helfen. Er frisst viel Nassfutter. Bisher habe ich auch angenommen, mehr Trockenfutter reinigt die Zähne. Ich weiß momentan nicht mehr, was richtig ist. Ich finde es aber sicher heraus, lasse nicht locker, es zu erfahren. Bin dankbar für Tips jeder Art!! Möchte auch ein Mittel finden, das das Zahnfleisch direkt pflegt, vielleicht zum Auftragen. Weiß jemand mehr über das Thema?

  9. Brauntier 21. Januar 2016

    Ein sehr guter Beitrag, bis auf einen kleinen Fehler: Die Hauskatze ist durchaus domestiziert; ob dies bereits vor 10.000 Jahren geschah, als sich die Katze dem Menschen anschloss und quasi selbst domestizierte, oder ob die Domestikation erst spätestens vor 150 Jahren mit dem Beginn der Rassekatzenzucht anzusetzen ist, darüber streiten sich die Gelehrten noch. Unabhängig davon sind beide Zeiträume allerdings zu kurz, um ein Verdauungssystem zu verändern. Zumal die Katze im Gegensatz zu anderen domestizierten Tieren bis vor wenigen Jahrzehnten auch als domestiziertes Tier noch größtenteils ihre natürliche Beute fraß und dies zum Teil als Freigänger immer noch tut. Die Domestikation führt(e) also nicht zwangsläufig zu einer Veränderung des Verdauungssystems, daher sind solche Argumente, wie „Rassekatzen vertragen/brauchen kein rohes Fleisch mehr“ natürlich Quatsch. Auch Rinder sind durch die Zwangsfütterung mit Fleischmehr bisher nicht zu Fleischfressern geworden, sondern allenfalls wahnsinnig.

  10. Moin moin…

    wie soll ich denn dagegen angehen, wenn mein Kater nichts (damit meine ich wirklich nichts) anderes frisst. Leider bekamen wir ihn mit 1 Jahr. Und ich vermute er hat es nie gelernt bekommen…er frisst nicht mal eine wurstscheibe oder ähnliches. Auch kein frisches Fleisch/ Fisch vom Metzger lediglich nur Trockenfutter:(
    Er trinkt dank einem Brunnen bisschen mehr, aber auch in meinen Augen nicht genug.

    Wenn Ideen da sind, dann gerne zu; )

    Vielen Dank

    VG Jana

  11. Gerti Holler 21. Januar 2016

    hallo,
    ich bin vor einem jahr auf BARF-fütterung bei meinen 2 hunden umgestiegen. allerdings füttere ich in der früh sehr wohl hochwertiges trockenfutter, aber abends dann barf.
    es ist bei uns (in ungarn) ziemlich schwierig, barf-geeignetes fleisch zu bekommen, es gibt lediglich rind und huhn/pute und natürlich schweinefleisch, was sich ja von vornherein verbietet. in der früh soll es rasch gehen, deshalb trockenfutter.

    ist das soweit ok? sonst wüsste ich wirklich nicht, wie ich das handeln soll mit der morgenfütterung.

  12. Erika Melchior 20. Januar 2016

    Hallo, mach mir auch schon lange Gedanken, aber mein Wuschel ein Kater, der seit seiner Geburt mit Mama Peggy bei mir lebt frißt nur Trockenfutter. Im Sommer fängt er aber Mäuse und Vögel.
    Mit freundlichen Grüßen

    Erika

  13. Claudia Mehnert 3. Januar 2016

    Mein Kater ist mit Whiskass , Felix und Kittekat Futter 26 Jahre alt geworden und die Katze immerhin 21 also was wollt ihr denn ? Kann das nicht vielleicht sein das die Tierärztin ein Barf Produkt vertreibt und sie das in den Himmel heben will ? Und außerdem , wenn ich Gefrorene Barf Würste kaufe kann mir auch jeder auf die Verpackung schreiben das das was oben aufgeführt ist alles nicht da drinnen ist und es trotzdem rein tuen . Wie im Übrigen auch schon geschehen ! Mein Hund bekommt Zwischendurch mal ein Stück Beinscheibe oder Ochsenschwanz oder auch Flache Rippe aber am Stück und nicht durch den Wolf gedreht denn den haben unsere Wildtiere ja auch nicht

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